DIY – Getriebewannendichtung Und Getriebeölwechsel Am JEEP Wrangler

JEEP Getriebewannendichtung Featured Image

Wer sein Geld lieber für Reisen anstatt für teure Reparaturen ausgibt und gerne selber bastelt, kann mit einer Mietwerkstatt oder eigener Garage an der Hand  eine Menge an seinem Reisefahrzeug selber reparieren. Mit ein wenig technischem Geschick und gutem Werkzeug, lässt sich schon sehr viel selber bewerkstelligen.

Als gelernter Industriemechaniker bringe ich zumindest technisches Verständnis mit und traue mir einiges zu. Der JEEP ist ja auch nicht gerade ein technisches Wunderwerk.

So habe ich mir im Vorfeld einige Tutorials auf Youtube angeschaut und die Partnummern der benötigten Teile herausgesucht. Zudem rief ich meinen Freund Issa Habakza von HABAKZA Automobile an und reservierte seine Mietwerkstatt.

Irgendwann - nach vielen KM - treten die ersten Gebrauchserscheinungen auf. Bei meinem Wrangler fing irgendwann die Getriebeölwanne das Siffen an, denn die Dichtung war hin.
Im Zuge der anstehenden Arbeit habe ich auch gleich alle Filter, Dichtringe und das Getriebeöl gewechselt.

JEEP Getriebewannendichtung, Bild1
Was wird also benötigt?

. Eine Mietwerkstatt oder die eigene Garage
. Eine Hebebühne oder entsprechend hohe Böcke, nebst Wagenheber
. Schlagschrauber und diverse Nüsse, Schrauenschlüssel, Schraubendreher, Fäustel, Torx-Set
. Drehmomentschlüssel
. Ölauffangwanne
. Bremsenreiniger, Lappen, Spachtel, Drahtbürste

Ersatzteile / Betriebsmittel

MOPAR ATF+4® Automatik Getriebeöl (4,7L Füllmenge) - (#68218058AA)
MOPAR Getriebeölfilter Satz (inkl. Dichtringen)  - (#05013470AE + #05179267AC)
2x Super Blue Silikon Dichtmasse (Typ 613) (es gibt auch viele andere hochtemperaturbeständige Silikone) - (ASIN B014URMZ6K)

JEEP Getriebewannendichtung, Bild2
Vorarbeiten

. Fahrzeug aufbocken oder auf der Bühne auf Arbeitshöhe bringen.
. Skid Plates entfernen (von Fahrzeug zu Fahrzeug sehr unterschiedlich).
(Alle Schrauben der Ölwanne müssen halt zugänglich sein).
. Auffangwanne unter die Getriebewanne stellen.


Getriebeölwanne, Filter und Dichtringe entfernen

. 8mm Sechskantschrauben der Ölwanne lösen (Vorsicht, irgendwann kommt Öl).
. Ölwanne horizontal entnehmen, Öl entsorgen.
. Ölwanne und Magnet säubern, Silikon mit einem Spachtel entfernen.
. Primären Ölfilter (#05013470AE) entfernen, dazu (1x) Torx Schraube lösen, dann den Filter aus der Dichtung ziehen.
. Dichtring des prim. Ölfilters mit einem Werkzeug aus der Buchse hebeln (VORSICHT).
. Cooler-Return-Filter (#05179267AC) herausdrehen.
. Getriebeunterseite säubern und von Silikonresten entfernen.

 

Neuteile einsetzen

. Neuen Dichtring des prim. Filters in die Buchse setzen (NICHT auf den Filter) und mit einer entsprechenden Nuss "einpressen".
. Prim. Austauschfilter erst mit dem Schaft an der Unterseite in den Dichtring einführen, dann auf der anderen Seite mit der Torxschraube fixieren (4.5NM).
. Neuen Cooler-Filter einschrauben (9.5NM).
. Silikondichtmittel auf der sauberen Wanne auftragen (ca. 3-5mm dicke Wurst, viele machen aber auch zwei Würste nebeneinander) - 10Min. antrocknen lassen.
. Wanne anbauen, 8mm Sechskantschrauben mit 12NM anziehen (auf Verkantung achten... also immer über Kreuz).
. Skid-Plates in umgekehrter Reihenfolge wieder anbauen.
. Fahrzeug ablassen.
. 12h warten, damit das Silikon aushärten kann (kann sich von Silikon zu Silikon unterscheiden)
. Getriebeöl auffüllen (ins. ca. 4,7L), wir haben mit 4 Litern begonnen.

JEEP Getriebewannendichtung, Bild3
Getriebeölstand checken - Variante 1 (Nach Anweisung Werkstatt)

. Fahrzeug starten und Parkbremse setzen.
. Jeden "Gang" durchschalten und 30 Sekunden in dem "Gang" belassen.
. Motor auf Betriebstemperatur bringen (ca. 82°C).
. Automatik auf "N" stellen, Füllstand checken, ggf. Öl auffüllen und 2 Min. warten, bis sich das Öl verteilt hat.
. Der Ölstand sollte nun die "HOT"-Markierung des Peilstabes benetzen, ggf. so lange auffüllen, bis der Stand passt.

Getriebeölstand checken - Variante 2 (Nach Offiziellem Werkstatt-Handbuch)

. Motor starten und Parkbremse setzen.
. Automatik für 2 Sekunden auf "D" stellen.
. Automatik für 2 Sekunden auf "R" stellen.
. Wahlhebel auf "P" stellen.
. OBDII Tool anschließen und Getriebesensoren auswählen.
. Temperatur auslesen und mit dem Chart (unten) vergleichen.
. Ölwanne auf Dichtigkeit prüfen (ggf. auch nach ein paar Tagen Fahrt nochmal checken).

JEEP Getriebewannendichtung, Bild4
Das korrekte Ablesen des Ölstandes auf dem Peilstab

Das ist nicht so ganz einfach, denn das Öl ist zwar rot, aber benetzt den Stick so, dass es fast transparent ausschaut.
Der Peilstab hat neben den geriffelten Markierungen auch (4) ausgestanzte Löcher. Das unterste zeigt den Pegel im kalten Zustand an. Das ganz obere - welches für uns ausschlaggebend ist - zeigt den Pegel bei Betriebstemperatur an. Je nach Füllstand wird nun eines dieser Löcher mit Öl "benetzt". (Wie beim Seifenblasen machen, wo sich in dem Loch ein Seifenfilm bildet).
Ähnlich sieht es dann auch auf dem Peilstab aus. Ist das Loch offen und es hat sich kein Film gebildet, kann es sein, dass der Füllstand nicht korrekt ist.
Hier muss man sich wahrlich rantasten. Problem nur: Je öfter man den Stab einführt und herauszieht, umso verfälschter wird das Ergebnis.

Zu viel oder zu wenig Öl - Nicht Gut!

Ein daraus resultierendes Problem kann ein schlechter Ölstand sein.
Befindet sich zu wenig Öl im Getriebe, kann das Öl zu heiß werden und/oder die Ölpumpe saugt Luft mit an und es bilden sich Luftbläschen, was in zu wenig Öldruck resultieren kann. Hat das Getriebe zu viel Öl, kann dieses aufschäumen... auch nicht gut.

Beide Probleme können somit dazu führen, dass das Getriebe überhitzt und irgendwann Schaden nimmt. Denn dann hört man es aus dem Peilstabrohr plötzlich blubbern, der JEEP geht in den Notlauf und irgendwann verbrennt das Öl im Getriebe.

 

Fazit

Wenn man genau weiß, wo man hinlangen muss und welches Werkzeug benötigt wird, dauert die gesamte Prozedur sicherlich nicht länger als 2 Stunden. Wir haben ca. 4.5h gebraucht, da wir mehr Bauteile entfernen mussten, als in den Tutorials beschrieben war. Das lag unter anderem an den sehr unterschiedlichen Skid-Plates und generell unterschiedlichen Unterböden und Ölwannen und an festgegammelten Schrauben.

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